Resumee 1. Woche – Stephan

Nach einer erfolgreichen ersten Woche in Rheinland-Pfalz brachte uns eine tolle Aufführung in der Tufa Trier mit großartigem Publikum einige spannende und zukunftsfähige Kontakte. Da das Hope Theatre mehr als ¾ seines Jahresbudgets einspielen muss, sind Netzwerke die Basis des Erfolgs. Als kleines ausländisches Unternehmen hat man es in Deutschland nicht leicht, denn die Entwicklungspolitik ist vor allem ein einheimisches Unternehmen. Aber die Programme, die Mundpropaganda und vor allem die Qualität der Truppe bringen uns jedes Jahr neue Partner und Aufführungsmöglichkeiten. Die positive Zusammenarbeit mit Trier wird mit Sicherheit weitergehen. Lea Horak – Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik im Büro des Oberbürgermeisters – hat einen grandiosen Job gemacht. Die Begegnung u.a. mit Sophie Lungershausen, GF der Lokalen Agenda 21 Trier e.V. und Universitätsprofessor Dr. Johannes Michael Nebe, der regelmäßige Studienreisen nach Nairobi durchführt, werden ebenso im Gedächtnis bleiben wie Aufführungen in den Schulen.

Unsere Unterkunft ist rustikal und ein optimaler Ausgleich zu den Vorstellungen über Klimaprobleme, denn hier im Wald scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Die Gruppe erlebt einmal mehr, was es heißt, den deutschen Winter zu verkraften, aber es ist bisher niemand krank geworden. Das besonders Positive an unserem Aufenthaltsort ist, dass wir im großen Speisesaal ungehindert proben können und mit unseren Trommeln und der lauten HipHop – Musik niemanden nerven.

Den freien Samstag vor dem ersten großen Auftritt dieser Tournee in Trier habe ich in meinem Büro in Jagsthausen verbracht – diese spannende Tätigkeit für dieses renommierte Festival begleitet mich in wechselnder Intensität das ganze Jahr und finanziert einen Teil des Produktionsdefizits, das ich persönlich trage. Ohne unsere Partner – allen voran das Staatsministerium Baden-Württemberg, fairtrade Deutschland und die Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz wäre die Tournee gar nicht möglich, aber die Fixkosten sind so hoch, dass wir trotz ausgebuchter Tournee nicht ausgeglichen arbeiten können.

Mein Leben hat sich durch das Hope Theatre Nairobi sehr verändert – aber nach jeder Vorstellung weiß ich, dass es richtig war, durchgehalten zu haben – und nun sprechen wir mit den SchülerInnen und LehrerInnen bereits über das nächste Jahr – denn das wird die Jubiläumstournee „10 Jahre Hope Theatre Nairobi“. Wer hätte das gedacht? Ich jedenfalls nicht, zumindest nicht, als ich zum ersten Mal im März 2009 nach Nairobi geflogen war. Meine erste Bleibe – eine 1-Zimmer Wohnung in einem mehrstöckigen Betonhaus in Mathare Slums – gibt es noch immer – sie ist jetzt das Büro der Truppe:

Hier wurde schon viel diskutiert, erarbeitet und entschieden. Ein zentraler Ort des Projekts.

Die MitgliederInnen der Kerntruppe kommen aus allen großen Slumgebieten der Metropole und aus unterschiedlichen Tribs. Sie haben zum Teil extreme Lebensumstände mitgebracht und sind jetzt angesehene Vorbilder und erfolgreiche Künstler. Sie geben ihre Erfahrungen aus Deutschland und Österreich weiter und leben, was sie erzählen. Sie zeigen, dass man es schaffen kann.

Manchmal werde ich gefragt, ob die wirklich aus den Slums kommen – weil sie ja Englisch können und sich selbst verwalten. Ja, sage ich dann (manchmal auch etwas genervt), Menschen aus afrikanischen Slums sind arm, aber nicht dumm. In den Schulen haben wir fast immer großartige Gespräche, die SchülerInnen haben überhaupt kein Problem damit, die Menschen aus Kenia ernst zu nehmen und mit ihnen auf Augenhöhe zu diskutieren. Bei manchen Kollegen ist das leider noch nicht immer angekommen – für einige ist der afrikanische Mensch arm dran und braucht unsere Hilfe. Dieses Verhältnis von oben nach unten versuchen wir mit unserem kleinen Projekt zu korrigieren.

So, nun aber auf zur zweiten Woche!

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