Resumee 4. Woche – Stephan

1968 wurde der „Club of Rome“ gegründet, ein Zusammenschluss von Experten verschiedenster Disziplinen aus mehr als 30 Ländern. Das ist 50 Jahre her. Die gemeinnützige Organisation setzt sich für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit ein. Ich hatte ihr Buch „Die Grenzen des Wachstums“ als Gymnasiast gelesen und organisierte dazu 1978 eine Ausstellung. In Österreich waren damals die ersten ökologischen Bürgerbewegungen entstanden und ich engagierte mich in verschiedenen Umweltprojekten. Unter anderem retteten wir die Hainburger Au und erreichten den Baustopp des Atomkraftwerks Zwentendorf. Auch in Deutschland waren viele Menschen der Meinung, dass man nicht planlos drauf los expandieren könne – während des Wirtschaftswunders eine heikle Mission. Auch in Deutschland war selbst ein bürgerlicher CSU-Wähler, wenn er gegen Atomkraft war, ein Linker. Mit diesen ausgrenzenden und diffamierenden Pauschalurteilen konnte vieles durchgesetzt werden.

Das Buch wurde aus verschiedenen Gründen immer wieder kritisiert. Statistiken und andere Forschungsmodelle wurden entwickelt um in Frage zu stellen, was sich jeder Mensch mit einfachem Rechenverstand selbst vorstellen kann: nämlich, dass ein Glas, wenn ich unaufhörlich Flüssigkeit eingieße, überläuft und, dass umgekehrt ein Glas, aus dem ich Flüssigkeit entnehme ohne nachzufüllen, irgendwann leer ist. Und damit ist alles gesagt. Trotzdem musste in Deutschland 50 Jahre nach dem Erscheinen des Buches über die Grenzen des Wachstums eine Kirche dem Braunkohletagbau Garzweiler weichen, ein symbolträchtiges Vorgehen, hat sich doch dieselbe Regierungsmehrheit, die sich auf klare Klimaziele geeinigt hatte, für ihre Koalitionsverhandlungen von selbigen wieder verabschiedet.

Der 50. Geburtstag des Club of Rome war für uns der Anlass, heuer das Stück zum Klimawandel anzusetzen. Dass wir mit der „Verschiebung“ der Klimaziele tagesaktuell wurden, hatten wir nicht erwartet. Ja, wir haben in Europa einiges erreicht. Aber vor allem auf Kosten eines Großteils der anderen Welt. Hier der Schlusstext der beiden AutorInnen zum Stück:

Wir müssen verstehen, dass der Klimawandel keine Plage ist, die von außen über die Menschheit hereinbricht. Er ist nichts Externes, kein Fehler im natürlichen System. Im Gegenteil, der Klimawandel ist die logische und natürliche Reaktion auf unsere Lebensweise, der Ausdruck unseres auf Verwertung ausgerichteten globalisierten Lebens. Es ist daher ein Irrtum zu glauben, mit geschickten Maßnahmen und kleinen Justierungen unseren Lebensstil möglichst beizubehalten und gleichzeitig das ökologische und soziale System im Gleichgewicht zu halten.

Die UN hat 17 Ziele aufgegeben, um eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Dieses sogenannte Sustainable Development vereint die drei Säulen „Ökonomie, „Ökologie“ und „Soziales“.  Im Idealfall erreichen wir Entwicklungspfade, die alle drei Säulen vereinen bzw. unter einen Hut bringen. 

Es gibt keine einfachen Lösungen. Es ist komplex und schwer. Einfach ist es, die Verantwortung immer an andere abzugeben.  Wer fängt an sich zu verändern? Wir Individuen – jeder einzelne, oder liegt die Verantwortung in erster Linie bei der gesamten Gesellschaft, bei der Politik, um das System von Oben zu ändern? Solange wir darüber grübeln und Schuldige suchen – hat der Wandel längst begonnen. Wir werden leiden, die Umwelt wird leiden, vorher aber werden ärmere Menschen und Menschen in ärmeren Regionen der Welt leiden.“ (Natalia Roizzenzon-Sipple, Hannes Lauer 2018)

 

 

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