Resumee 5. Woche – Stephan

Die erste Schulserie ist abgeschlossen, 5 Wochen und 31 Veranstaltungen sind geschafft, nun folgen 3 Tage Erholung und dann die beiden großen Abendvorstellungen in Köln und Karlsruhe. Ich frage mich, ob ich ein deutsches Ensemble finden würde, das bereit wäre, 3 Monate durchgehend zusammen zu leben, im 9-sitzer Bus zu fahren (manchmal um 5h früh los), Vorstellung zu spielen, Diskussionen und Gespräche zu führen, wieder heimzufahren (manchmal 3 Stunden), zu kochen, zu proben… und immer gute Laune zu haben, Konflikte schnell zu lösen und zurück in Kenia wieder weiter zusammen zu arbeiten, 5 x die Woche, mit Workshops, Vorstellungen, Tourismusprogrammen? – Das Sozialverhalten hat ein anderes Niveau als bei uns, das erlebe ich auch in Nairobi immer wieder. Gemeinschaft ist ein Lebenskonzept, keine gelegentliche – je nachdem – anstrengende oder lustvolle Ausnahme.

In diesem Zusammenhang ist es für mich auch interessant zu beobachten, wie die Gruppe jede Vorstellung auch als Training versteht. Wenn ich ein paar Tage nicht dabei bin (und durch meinen Kollegen Jens Woggon vertreten werde) dann finde ich bei meiner Rückkehr wieder neue Kleinigkeiten, erlebe neue Betonungen oder Formulierungen auf der Bühne, sehe einen neuen Tanz. Die Gruppe arbeitet einfach immer weiter, ganz selbstverständlich. Die neue Konstellation ist sehr motiviert, das Theater steht im Vordergrund, die anfänglich vorhandenen korrupten Tendenzen sind ausgeräumt, die Gruppe managt sich hervorragend selbst, die Leitung – Mitgliederinnen aus den Anfängen – haben ihr Handwerk mittlerweile souverän gelernt und sind perfekt im Krisenmanagement.

Da die Bildungs- und Entwicklungspolitik mittlerweile sehr institutionell durchgeführt wird, haben es individuelle Projekte sehr schwer, auch wenn sie alle Vorgaben nachprüfbar erfüllen: Nachhaltigkeit, Hilfe zur Selbsthilfe, Dialog auf Augenhöhe, authentische Information aus einem anderen Kontinent, Globale Themen im Zusammenhang mit den 17 Punkten des Sustainable Development, bildungspolitischer Dialog mit den Jugendlichen in den Schulen. Aber wir handeln nicht im Auftrag einer übergeordneten Organisation, sondern wir haben uns selbst erfunden. Alle Schulen, die wir bisher besucht haben, wollen uns nächstes Jahr wieder buchen, einige laden uns seit 2014 regelmäßig ein. Ganz falsch dürfte unser Projekt und unser Ansatz also nicht sein.

Die letzte Vorstellung vor den Osterferien hat uns nach Überlingen geführt – 4h früh aufstehen, 5h losfahren, 8h Vorstellungsbeginn. Auch in Überlingen sind wir Stammgast – diesmal um dabei zu sein, wie die Urkunde zur fairtrade–school überreicht wird. „Überlingen“, sagt Frau Giessmann von der SEZ, „ist fairtrade-school Nr. 73 – von etwa 3000 Schulen in Baden-Württemberg.“ Das entspricht in etwa dem Verhältnis des fairen Handels – 5% durchschnittlich, bei manchen Produkten ist es schon besser, bei manchen schlechter. Es gibt also noch viel zu tun.

Bei einem Workshop im Mörike-Gymnasium zu fairen Handel entsteht dieser Rap von einer Schülerin. Mit dem Mörike-Gymnasium Stuttgart und der Theater-AG verbindet uns eine lange Tradition – und eine Zusammenarbeit mit dem Hope Theatre seit 2012. Wir haben uns entschieden, den Song gemeinsam zu produzieren:

Draußen fällt Schnee, ein schlechter Scherz
Morgen ist doch schon der 21. März
Aber was solls, bleib ich halt drin
Ess ne Schokolade und les den Stephen King
 
Die Schokolade ist echt gut
Am Ufer sitzt ein Mann mit den Händen voller Blut
In den Armen zwei Kinder, beide leben nicht mehr
Ist die Schokolade eigentlich fair?
 
Ich hab doch wirklich alles und leide immer mehr
Und woanders leben viele, die haben s richtig schwer
Wie weit geht die Fairness im eigenen Leben
Wo prallt sie auf Komfort und was muss ich dafür geben
 
Das Handy klingelt, ich hebe nicht ab
Das Buch ist zu spannend, die Zeit ist knapp
Da fällt mir ein: ich muss doch noch raus
Ich brauch ein neues Handy, denn das geht dauernd aus
 
Ich hasse Schnee, boah, ist das kalt!
Ist mein Handy eigentlich wirklich schon so alt?
Ich kehre wieder um und koch mir einen Tee
Ich denke über vieles nach und starre in den Schnee
 
Ich hab doch wirklich alles und leide immer mehr
Und woanders leben viele, die haben s richtig schwer
Wie weit geht die Fairness im eigenen Leben
Wo prallt sie auf Komfort und was muss ich dafür geben

 

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